Mein Kindle kommt so langsam in die Jahre und ich überlege mir dieses Jahr einen neuen eReader zuzulegen. Bis jetzt habe ich mit dem Kindle Paperweight geliebäugelt, aber es gibt ja auch noch andere Optionen, so z.B. den im Moment stark beworbenen eReader Tolino.

Neben den rein technischen Details und dem Thema Bedienung, ist für mich auch die Frage wichtig, ob ich mein Lesematerial überhaupt bei den angeschlossenen Shops bekomme.

eBooks kaufe ich mal bei Amazon, oft aber auch direkt beim Verlag, denn gerade bei kleinen, reinen eBook-Verlagen bekommen die Autoren dann oft 10% mehr ausgezahlt, als wenn ein Buch über einen der großen Distributoren verkauft wird. Hin und wieder auch mal bei kleineren Distributoren wie z.B. AllRomance eBooks.

Meistens ist das kein Problem, da die kleinen US-eBook-Verlage ihre Bücher entweder in allen möglichen Formaten inklusve .mobi anbieten oder ohne DRM, so dass sie problemlos mit Calibre umgewandelt werden können und dann auch auf dem Kindle lesbar sind.

Stefan Holzhauer hat bei den Phantanews diverse Onlineshops für Bücher als mögliche Alternative zu Amazon ausgetestet. Ähnlich wie ich schaut auch er nach dem Angebot von englischen Büchern aus dem Bereich Phantastik.

Davon habe ich mich inspirieren lassen und mal geschaut, wie es bei den Anbietern, die hinter dem Tolingo-Reader stehen, ausschaut. Der Fokus ist hier natürlich englische eBooks, primär aus dem Bereich SF/F, aber auch einige Liebesromane, die von kleineren US-Verlagen angeboten werden.

Ich bin einfach mal einige eBooks durchgegangen, die auf meiner aktuellen Kaufliste stehen, bzw. welche, die ich bereits gekauft habe. Alle sind auf englisch und alle sind bei Amazon.de erhältlich.

Amazon: Kami Carcia & Margaret Stohl: Beautiful Creatures (der Film läuft derzeit in Deutschland im Kino)
Weltbild: englisches eBook nein
Thalia: englisches eBook nein
Hugendubel: englisches eBook nein
Bertelsmann Club: englisches eBook nein

Amazon: Rob Thurman: Chimera
Weltbild: englisches eBook nein
Thalia: englisches eBook nein
Hugendubel: englisches eBook nein
Bertelsmann Club: englisches eBook nein

Amazon: Will Hill: Department 19 
Weltbild: englisches eBook nein
Thalia: englisches eBook nein
Hugendubel: englisches eBook nein
Bertelsmann Club: englisches eBook nein

 Amazon: Jeff Vandermeer: Booklife. Strategies and Survival Tips for the 21st Century Writer
Weltbilt: englische eBook nein
Thalia: wow, sie haben doch tatsächlich das eBook im Angebot. Preis: 9,99 (Amazon-Preis 5,76 €)
Hugenduble: englische eBook nein
Bertelsmann Club: englisches eBook nein

Nehmen wir mal einen wirklichen Weltbestseller, der seit Jahren auf dem Markt ist. Der sollte doch auch als englisches eBook im Angebot sein, oder?

Amazon: J.D. Robb: Naked in Death
Weltbild: englisches eBook nein
Thalia: englisches eBbook nein
Hugendubel: englisches eBbook nein
Bertelsmann Club: englisches eBook nein

Ich hab noch ein paar anderen Sachen, die ich meistens direkt beim Verlag kaufe (wobei sie auch bei Amazon.de erhältlich sind), ausgetestet und hatte ähnliche Ergebnisse. Englische eBooks waren durch die Bank nicht erhältlich. Hinzufügen sollte ich vielleicht auch noch, dass auch die englischen Taschenbücher nur teilweise angeboten wurden oder sofort  lieferbar waren.

Fazit:

Der Tolino eReader ist für mich komplett uninteressant, da ich mein Lesematerial nicht bei den jeweiligen Anbieter bekommen kann, bzw. in dem einen Fall, wo das englische eBook überraschenderweise erhältlich war, es fast doppelt so teuer war wie bei Amazon.

Ich finde das Ergebnis ziemlich beschämend. Um Amazon wirklich Konkurrenz zu machen, muss man den Kunden mehr anbieten, als nur einen neuen eReader, der zwar billiger ist, aber auch weniger Funktionen anbietet, als z.B. der Kindle Paperweight.

Man könnte jetzt argumentieren, dass ich mit meinem Leseverhalten ein Exot bin und da ist sicherlich etwas dran, auch wenn ein Großteil meines Freundeskreises viel auf englisch liest (aus unterschiedlichen Gründen) und für uns das nicht so exotisch ist.

Da ich wegen der englischen Bücher und eBooks also eh schon ein Konto bei Amazon habe und mich auf der Plattform bewege, nutze ich sie natürlich auch um andere Sachen. Indem Amazon in der Lage ist, auch etwas ausgefallenere Interessen und Kundenwünsche zu bedienen, binden sie natürlich auch Kunden auf ihrer Plattform. Kundenbindung oder der Versuch einer Kundenbindung scheint ein Punkt zu sein, den ich bei gerade deutschen Online-Buchshops immer wieder vermisse.

In den Zusammenhang ist sicherlich auch der Artikel auf Phantanews zu den unerklärlichen Preisen für englische eBooks in deutschen Shops (falls sie überhaupt erhältlich sind) interessant. Besonders lesenwert und aussagekräftig sind die Antworten der jeweiligen Plattformen zum Thema englische eBooks. Wenn sie uns als Kunden nicht haben wollen…

Mein Schreibtisch ist im Moment das reinste Chaos: Stapel von Büchern und CDs, die besprochen werden wollen, Briefe, die beantwortete werden müssen, Notizen und Zettelchen mit gekritzelten Ideen und Entwürfe für Stories und Projekte, die sich anscheinend vermehren, wenn ich nicht hinschaue, Material für Weihnachtskarten, usw. usf.

Bevor ich mich jetzt mal um das Chaos kümmere und versuche ein bisschen Ordnung zu schaffen, wollte ich noch kurz auf eine Neuerscheinung hinweisen.

Von Tanya Huff ist im Amazon-Kindle-Store die erste Kurzgeschichtensammlung für Kindle erscheinen. Tanya Huff: Nights of the Round Table and Other Stories of Heroic Fantasy.

Tanya Huff gehört schon seit Jahren, oder eher seit Jahrzehnten, zu einer meiner Lieblingsautorinnen. Ich mag ihren Schreibstill, ihren trockenen Humor und ihre Figuren, die allesamt nicht perfekt sind. Und hey, mit Vicki Nelson war eine der ersten Urban Fantasy-Heldinnen, die eine Brille trug und an einer Erbkrankheit litt, die sie langsam erblinden lies. Und trotzdem war sie tough und machte ihr Ding.

Und wenn man den Stil eines Autors mag, will man natürlich alles lesen, zumindestens geht es mir so. Kurzgeschichten machen es einem da immer schwer. Mal ist die Anthologie nicht mehr erhältlich oder die Anthologie an sich klingt nicht wirklich interessant, bis auf diese eine Story, oder die Story erschien in einer Zeitschrift, die entweder vergriffen ist oder in Deutschland nicht zu bekommen ist, oder, oder, oder.

Da bieten Ebooks jetzt natürlich eine tolle neue Möglichkeit für Autoren. Zum einem können sie, sobald sie die Rechte wiederhaben,  Bücher wieder herausgeben, die schon seit Jahren (oder Jahrzehnten) out-of-print sind. Diane Duane macht es auf bewundernswerte Art und Weise vor, indem sie u.a. die Tale of Five-Bücher Lesern wieder zugänglich macht, aber dazu später mehr.

Neben der Neuauflage von vergriffen Bücher, bieten Ebooks sich natürlich jetzt idealerweise an um auch Autoren-Anthologien herauszugeben. Die meisten Verlage schrecken davor ja in den meisten Fällen davor eher zurück. Ich vermute, dass es bei vielen ein Kostenfaktor ist und wahrscheinlich auch ein ziemliches Chaos mit den Rechten, was einfach einen hohen Arbeitsaufwand bedeutet, was wieder Kosten bedeutete.

Autoren und auch ihre Agenturen haben wahrscheinlich eine andere Motivation und auch andere Möglichkeiten und durch die neuen technischen Möglichkeiten können sie dann auch autonomer handeln und selbst zum Herausgeber werden. Ich finde das toll, weil sich dadurch einfach neue Möglichkeiten bieten und wir als Leser die Chance, haben in den Genuss von Texten zu kommen, die vorher nicht so einfach zu finden waren.

Und um wieder zum Anfang dieses Eintrags zu kommen. Tanya Huff, bzw. ihre Agentur hat einige ihrer Stories zusammengestellt und als Ebook herausgegben. Und nach den Einträgen in Tanya Huffs Blog ist das nur die erste von mehreren geplanten Anthologien. Ich bin schon gespannt.

Das Buch ist schon in meinen Stapel ungelesener Ebooks und jetzt muss ich nur noch Zeit zum lesen finden. Das alte Problem.